Zusammenführung zweier Kundenstammdatensysteme der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Quelle: Landesbank Baden-Würrtemberg

Verwendete Technologien und Methoden

  • Dynamische Vorgehensweise (agiles SCRUM)
  • JIRA
  • HP Quality Center (Test)

Als langjähriger Partner der LBBW in Stuttgart unterstützte die Tricept AG seit 2018 die Ablösung des Kundenstammdatensystems KIS (Kundeninformationssystem) in verschiedenen Bereichen. Im März 2020 wurde das Migrations-Projekt erfolgreich abgeschlossen.

Die LBBW hat historisch bedingt zwei juristisch führende Kundenstammdatensysteme. Dies hat den Hintergrund, dass bei der Einführung des Sparkassenstandardsystems OSPlus (One System Plus) im April 2017 diverse komplexe Bankgeschäfte nicht mit OSPlus durchführbar waren und daher diese Geschäfte inklusive des Kundenstammdatensystems KIS in den Altsystemen belassen wurde.

Da die beiden Kundenstammdatensysteme jeweils juristisch führend für gewisse Bereiche waren, mussten die Daten zwischen beiden Systemen möglichst synchron gehalten werden, was unter anderem zu Mehraufwand bei der Pflege der Kundendaten und für eine hohe Komplexität in den nachgelagerten IT-Systemen sorgte. Daher hat sich die LBBW im Jahr 2018 entschlossen, das System KIS abzuschalten und alle Kundenstammdaten nur noch in OSPlus pflegbar zu machen.

Da das bisherige seit über 25 Jahren genutzte hostbasierte Kundenstammdatensystem KIS in die bisherige IT-Landschaft verwoben war, mussten über 80 IT-Systeme und zahlreiche Prozesse angepasst und geändert werden.

Das Projekt wurde hybrid durchgeführt, was konkret in der Vorgehensweise bedeutet, dass das eigentliche Kernprojekt weitestgehend agil unterwegs war, aber in die bisherige Hierarchie einer Großbank eingebettet war und aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen an die verschiedenen zu ändernden IT-Systeme nicht alle Personen permanent am Projekt beteiligt waren.

Die Tricept AG war in diesem Projekt mit einem Team von Mitarbeitern in verschiedenen Rollen tätig:

  • IT-Projektleitung des Gesamtprojektes und der Vorstudie
  • Testmanager und Testunterstützung
  • PMO
  • Fachliche Unterstützung bei der Analyse und Änderung der Prozesse
  • Fachliche und organisatorische Unterstützung bei den Anpassungen an der Aufbauorganisation  

Herausforderungen:

Unwägbarkeiten auf Grund langer Laufzeit

Das abzulösende System war seit über 25 Jahren in Betrieb, was die Ermittlung aller Abhängigkeiten zu einer großen Herausforderung machte. Letztlich wurden über 80 IT-Systeme und 30 Fach-Prozesse ermittelt, die in irgendeiner Form auf die betroffenen Daten zugreifen und größtenteils auch angepasst werden mussten. Allen Beteiligten war jedoch klar, dass es in dieser Konstellation unwahrscheinlich ist, dass alle Abhängigkeiten identifiziert wurden, für die Zeit nach dem Go Live wurde daher entsprechende Ressourcen für Nacharbeiten eingeplant. Erfreulicherweise hielten sich die Probleme nach dem Go Live dann in einem sehr überschaubaren Rahmen, so dass die Ablösung des Kundenstammdatensystem insgesamt erfolgreich im ursprünglich geplanten Budget zum Abschluss gebracht werden konnte.    

Vermeidung von Auswirkungen auf Kundennamen und Kundenadressen

Bei den Namen und Adressen der Kunden gab es Unterscheidungen bei Feldanzahl und -länge der Kundenfelder zwischen beiden Kundenstammdatensystemen, was eine 1:1-Migration der Namen bzw. der Adressen verhinderte. Aus diesem Grund mussten diese Namen und Adressen in vielen Fällen angepasst werden. Bei den Adressen gab es darüber hinaus viele fachliche Besonderheiten zu berücksichtigen (z.B. Postverbot), die im Zielsystem abweichend  abgebildet werden als im Quellsystem. Um auszuschließen, dass es hier zu kritischen Fehlern mit Außenwirkung auf Kunden kommt, wurde dieser Bereich daher besonders intensiv getestet. 

Besonderheiten:

Einführung neuer Rumpfdatenbestand

Auf Grund der mit einer Komplettumstellung aller abhängigen Systeme verbundenen Aufwände und den laufenden Kosten bei ständigen Zugriff auf OSPlus, wurde von der LBBW die Entscheidung getroffen das Alt-System technisch durch einen neuen Rumpfdatenbestand (Host-DB) zu ersetzen, der nächtlich aus OSPlus betankt wird. Dieser Ansatz hatte die folgenden wesentlichen Vorteile:

  • Es gibt zukünftig nur noch ein juristisch bestandsführendes System
  • Bestehende Host-Module konnten zentral umgestellt werden, was implizit auf alle Systeme wirkt, die über diese Module auf Kundendaten zugreifen. Die Anzahl direkt anzupassender abhängiger Systeme wurde deutlich reduziert.
  • Die Anpassungen an den direkt auf den Host zugreifenden Systemen wurden minimal gehalten (identische aber reduzierte Tabellenstrukturen)
  • Probleme aus nicht identifizierten Abhängigkeiten können im Bedarfsfall kurzfristig behoben werden  
  • Reduzierung der Betriebskosten, da nicht ständig von externen Systemen auf OSPlus zugegriffen werden muss.

 

Vorabmigration in Produktion

Da sich das neue Kundenstammdatensystem OSPlus bereits produktiv im Einsatz befand, jedoch für das von der Ablösung betroffene Kundensegment nicht das Bestandssystem darstellte, wurde der Ansatz gewählt die betroffenen Kunden bereits vor der eigentlichen Ablösung regelmäßig alle vier Wochen im produktiven Zielsystem zu aktualisieren. Auch der Rumpfdatenbestand und die Ausleitung der Kundenstammdaten wurde schon vor dem eigentlichen Go Live verfügbar gemacht, so dass die ersten IT-Systeme schon zeitlich deutlich vorher umgestellt werden konnten. Durch dieses Vorgehen wurde ein „Big Bang“ weitestgehend vermieden und Fehler bei der Aktualisierung der Kundendaten konnten frühzeitig erkannt und behoben werden.

Erfolgreicher Projektabschluss - Kundenstimme

Udo Spitzauer, fachlich verantwortlicher Abteilungsleiter des KIS-Projekts bei der LBBW, war trotz der erschwerten Bedingungen aufgrund des Coronavirus sehr zufrieden mit der Projektabwicklung:

"Neben der hohen Komplexität und den anfangs divergierenden Anforderungen haben zum Ende hin insbesondere die Verschiebung des Umstellungstermins und zuletzt auch noch die besonderen Corona-Umstände alle vor große Herausforderungen gestellt. Aber das Team hat konstruktiv zusammengearbeitet und vieles fast unmerklich bewerkstelligt. Für ein Projekt dieser Dimension eine tolle Leistung. Kompliment dafür!"

 

Kontakt

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Marc Hagener
Marc Hagener
Vorstand